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Mir liegt sehr am Herzen, dass wir, die wir das Privileg besitzen, in einem reichen Land leben zu dürfen, ein Stück unserer Seele und ein Körnchen unseres Geldes für diejenigen zur Verfügung stellen, die um ihre Existenz kämpfen müssen oder zumindest nicht die finanziellen Möglichkeiten besitzen, ihre bescheidenen Pläne zu verwirklichen.

Kuba:

Baracoa, eine Stadt ganz im Osten Kubas, deren Gründung auf Christopher Kolumbus zurückgeht, am 7.September 2008. Die Einwohner bereiten sich auf den angekündigten Durchzug des Hurrikans „Ike“ vor. Die Nervosität ist groß, denn schon im Frühjahr hatte ein Tsunami, der vor der Küste Kanadas entstanden und nach Süden gerollt war, große Schäden an der Uferpromenade, dem so genannten Malecon, und den angrenzenden Häusern verursacht. Über 40 davon waren unbewohnbar geworden, ein Kindergarten wurde von den meterhohen Wellen vollständig zerstört. Sein Wiederaufbau an anderer Stelle scheitert immer noch an den hohen Kosten. Und nun wieder Alarm! Das kubanische Fernsehen berichtet ununterbrochen über die Entwicklung, Lautsprecherwagen fahren durch die Straßen, besorgte Anwohner der gefährdeten Zone, die sich über mehr als einen Kilometer hinter dem Malecon erstreckt, tragen einen Teil ihrer Habseligkeiten zu Verwandten oder Freunden. Transportmöglichkeiten gibt es nicht, also hilft nur die Hoffnung, dass es schon nicht so schlimm kommen werde.

Wir sitzen in unserem Hotelzimmer in einer umgebauten alten Festung oberhalb der Stadt und beobachten gespannt durch die großen Fenster, wie das Meer durch den zunehmenden Sturm aufgepeitscht wird. Der heftige Regen hat die Straßen fast leergefegt, kaum einer traut sich noch raus. Und bald soll es uns den Atem verschlagen: Immer höhere Wellen prallen auf die Ufermauern des Malecon, das Meer kennt keine Gnade. Schließlich kann das Wasser nicht mehr ablaufen und strömt zwischen und durch die Häuser. Wir können Menschen erkennen, die im heftigsten Sturm noch einige Habseligkeiten in Sicherheit bringen, bis eine riesige Woge über und durch ein fünfstöckiges Hochhaus schwappt und die dahinter liegenden Häuser wegspült. Erst am späten Nachmittag beruhigt sich das Meer etwas und wir sehen schon die ersten Bilder im kubanischen Fernsehen.

Am nächsten Tag können wir uns selbst ein Bild von der Zerstörungskraft des Hurrikans machen: Bis in die dritte Parallelstraße hat sich das Meer vorgekämpft, die Menschen stehen fassungslos vor ihrer zertrümmerten Existenz. Bald stellt sich heraus, dass fast jede befreundete Familie betroffen ist, wir helfen, so gut es geht, transportieren durchnässte Übrigbleibsel mit unserem Mietauto, besorgen Trinkwasserflaschen für die schon schuftenden Leute, geben Geld  den am meisten betroffenen Freunden, um wenigstens für ihr Kind eine trockene Matratze kaufen zu können...

 





Baracoa ist eine kleine, überschaubare Stadt im Osten Kubas. Hier landete Kolumbus 1492 und erkundete die Gegend für ein paar Tage, weil er wegen Stürmen mit seinen Schiffen nicht weiterfahren konnte. Somit entstand die erste Siedlung der Spanier auf der Insel Kuba. Bis vor fast 50 Jahren gab es keine Straßenverbindung nach Baracoa, die Stadt war nur auf dem Seeweg erreichbar. In der großen Kirche im Herzen Baracoas befindet sich ein Holzkreuz, angeblich das einzig Erhaltene von all denen, die Kolumbus zur Christianisierung der Urbevölkerung mitbrachte. Zu dieser Kirche gehörte in der 1.Hälfte des 20.Jahrhunderts eine kleine Schule, die damals von Nonnen geführt wurde, die heutige Escuela Primaria (Grundschule) Miguel de Cervantes (spanischer Dichter, Verfasser des „Don Quichote“). Die Schule besteht aus mehreren Klassenräumen, einer Schülerbücherei, einem Videoraum, zwei Toiletten für alle(!) und einem Kräutergarten für die Erstversorgung kranker Schüler. Wegen des tropischen Klimas gibt es keine richtigen Fenster, sodass man dem Unterricht von der Straßenseite her lauschen kann. Die Kinder tragen alle eine rot-weiße Schuluniform, die ihnen vom Staat gestellt wird. Allerdings besteht ein großer Bedarf an Schreibzeug und Büromaterial, sodass sich die Schule über jede uneigennützige Hilfe freut. Am Abend verwandelt sich die Grundschule in eine Art Volkshochschule: In mehreren Kursen wird Fremdsprachenunterricht angeboten, auch Deutsch! Die Kursteilnehmer sind junge Erwachsene, die nach der Arbeit noch dazu lernen wollen, um sich bessere Berufschancen, natürlich vor allem im Tourismus, zu ermöglichen.

Im vergangenen Jahr 2006 initiierten Martin Piper, Realschullehrer in Bad Aibling, und Iliane Högen, Grundschullehrerin in Bernau am Chiemsee, eine Hilfsaktion für die Schule. Sie sammelten Schreibutensilien in ihren Klassen, kauften z.B. einen Kassettenrekorder für den Fremdsprachenunterricht und andere nützliche Gegenstände. Bei ihrem Urlaubsbesuch in den Osterferien übergaben sie das Spendenmaterial an die Direktoren der Schule, dem Ehepaar Canego. Aber damit soll die Hilfe nicht beendet sein...

Mittlerweile hat die Hilfsaktion auch einen Namen bekommen: "Yuntas", das kubanische Wort für "Freunde". Und wirklich, immer mehr Freunde schließen sich dem Projekt an: Am meisten freut uns, dass die Realschule am Europakanal in Erlangen unter Leitung von Herrn Uli Knoll eine größere Geldsumme aus den Einnahmen der dortigen SMV zur Verfügung gestellt hat. Somit wird es möglich sein, einen dringend benötigten CD-Kassetten-Rekorder zu kaufen. Auch für die zugesandten Festplatten für das Museum herzlichsten Dank.



Das Museo de la Cueva:

Ein zweites Hilfsprojekt betrifft das archäologische Museum „Museo de la Cueva“ unter der Leitung von Roberto Ordunez. Wir drucken in Deutschland die Zeitung, die über die neuesten   Ausgrabungen aus der Zeit der Ureinwohner Kubas, der Tainos, berichtet, und bringen sie auf unseren Urlaubsreisen mit. Zusätzlich statten wir das Museum mit nützlichen Gebrauchsgegenständen aus, z.B. mit Stirnlampen und anderem technischen Equipment.